| "Tear
down this wall!" Gedanken während eines Spaziergangs durch Berlin Hosted by: "Gemeinschaft Umkehr zum Herrn", Wien www.uzh.at |
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Das Brandenburger Tor 2006 heißt die Besucher der Wilco Jugendgruppe aus Wien willkommen
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"Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen." Nur mehr eine lange, geschwungene Linie, eingelassen in die Pflastersteine der Fußgängerzone angrenzend an das Brandenburger Tor, erinnert an den früheren Totesstreifen. Diese Linie markiert noch den Ort, an dem einst die Mauer stand, die Grenze, die Familen, eine ganze Stadt, ein Land und sogar die gesamte Welt geteilt hatte. Ich hocke mich nieder, berühre die unauffälligen schwarzen Pflastersteine und bin überwältigt von der Bedeutung dieses Ortes, von eigenen Erinnerungen an die deutsch-deutsche Geschichte und voll Dankbarkeit gegenüber dem, der gesagt hat: "Mit mir kannst du über Mauern springen!"
Mauerbau August 1961. Ein Schrecken durchzieht das Land. Walter Ulbrichts SED-Regierung in Ostberlin hat den schlimmsten Alptraum wahr gemacht. Über Nacht wurde zuerst ein Stacheldrahtverhau und kurz darauf eine Mauer zwischen beiden deutschen Staaten errichtet. In Berlin, wo die Grenze mitten durch die Stadt verlief, wurden die Häuserfronten ganzer Straßenzüge zugemauert. Was früher einmal die Bezirksgrenze einer weltoffenen Stadt gewesen war, war über Nacht zum Todesstreifen geworden. Das Brandenburger Tor hatte aufgehört, ein Tor zur Berliner Stadtmitte zu sein. Ich erinnere mich noch gut, wie groß der Schecken und die Aufregung in meiner Familie gewesen war. Schließlich hatten wir selbst noch Verwandte in der "Ostzone", wie man damals unkorrekterweise noch immer sagte. Abgeschittenen. Für immer? Meine Tante und mein Onkel waren noch vor dem Mauerbau aus der DDR in den Westen geflohen. Menschen, die das nach dem August 1991 noch versuchten, zahlten oft genug mit ihrem Leben. In den ersten Wochen und Monaten ereigneten sich noch spektakuläre Fluchtversuche: über Dächer, durch die Kanalisation oder U-Bahnschächte. Die Zeitungen waren voll davon.
"Ich bin ein Berliner!" Nicht nur eine Stadt, eine ganze Welt war scheinbar unwiderruflich geteilt worden. US-Präsident Kennedy reiste wenige Monate später nach Westberlin, in die Stadt, die die Amerikaner schon in den ersten Nachkriegsjahren durch die Luftbücke von den Sowjets zurückertrotzt hatten. "Ich bin ein Berliner!" rief er den Menschen zu. Dieses Wort seiner Rede klingt mir noch heute in den Ohren - immerhin war das das erste Mal, dass ich eine Übertragung im Fernsehn anschauen konnte. Das Wort blieb uns in Westdeutschland aber noch lange im Herzen. Dass diese "Schandmauer" jemals wieder fallen könnte, daran glaubte dann lange Zeit niemand mehr. Und bei meiner Schulabschlussfahrt nach Berlin konnte ich mich selbst von der Dauerhaftigkeit des Bauwerks und der Entschlossenheit des DDR-Regimes überzeugen. Keine Grenze der Welt war so gut gesichert (U-Bahnstationen unter der östlichen Zone inklusive). Und auch nirgendwo sonst wurden Briefe und Telefonate mit dem "imperialistischen Ausland" derart rigoros überwacht wie in der DDR. Auch dazu sammelte ich später meine Erfahrungen. Dennoch schienen einige Menschen an die Möglichkeit einer Veränderung zu glauben. Am 9. November 1988 versammelte sich eine Gruppe von Fürbittern gerade hier, westlich des Brandenburger Tors. Genau 50 Jahre war die Reichskristallnacht her, an dem die Judenverfolgung des NS-Regimes mit grausamer Härte ausgebrochen war. Während einer Fürbittezeit war um Buße und Vergebung für das Land gerungen worden. Und anschließen zogen die Beter zur Berliner Mauer. Und sie beteten, dass auch dieses Unrechtsregime in der anderen Hälfte Deutschlands zu Ende gehen würde, dass Heilung käme für das ganze deutsche Volk. Ich las kurz darauf einen Bericht von dieser Gebetsinitiative - und betete zögerlich mit. Es war fast nicht mehr vorstellbar, dass diese Mauer fallen würde, durch persönliche Freundein der DDR wusste ich allerdings, wie marode dieser SED-Staat bereits geworden war. "Einige Jahre noch...", sagte mein Freund Ulrich voraus.
"Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" Doch so lange dauerte es nicht mehr. Zuerst kamen die Rolling Stones und gaben ein Konzert vor dem Brandenburger Tor. Die Lautsprecher waren nach Osten und Westen gerichtet, die DDR-Polizei konnte die jugendliche Menge kaum zurückdrängen, die sich Unter den Linden in Ostberlin versammelt hatte. Dann kam Ronald Reagan. Diesmal war Ostberlin weiträumig abgeperrt, doch seine Botschaft kam über den Äther umso deutlicher: "Mr Gorbachev, tear down this wall!" Mir lief es eiskalt den Rücken herunter, als ich seine Ansprache im Radio hörte. Die Mauer niederreißen? So knallhart gefordert? Reagan hatte schon zuvor undiplomatisch und zum Entsetzen vieler Zeitgenossen die UdSSR das "Reich des Bösen" genannt. Doch mit Gorbatchow war tatsächlich eine neue Ära angebrochen. Und der Vorsitzende des sowjetischen Zentralkomitees kam selbst nach Ostberlin. Die 40-Jahrfeier der DDR im Oktober 1989 wurde zur letzten Veranstaltung dieses Staates. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", sagte Gorbatschow zu den internationalen Journalisten. Was er der DDR-Führung privat gesagt hatte, lässt sich leicht raten. Nachdem der Druck, ausgelöst durch die erste Öffnung des Grenzzaunes zwischen Österreich und Ungarn und die einsetzende Bewegung der Botschaftsflüchtlinge (DDR-Bürger flüchteten in BRD-Botschaften in den angrenzenden kommunistischen Ländern) unerträglich geworden war, genügte bereits ein fälschlich veröffentlichtes Gerücht, die Mauer endgültig zum Fall zu bringen. Am 9. November 1989 wurde die Geschichte umgeschrieben. Diesmal rollten keine Panzer, die Geschichte wieder zurückzudrehen. Die Mauer hatte das Gebet der "Fürbitter für Deutschland" exakt ein Jahr überlebt.
Gebete sind so mächtig wie Panzer - wirken aber viel länger! Begonnen hatte der Prozess mit Buße und Bitte um Vergebung für die Schuld der Nation. Bezeichnenderweise findet man heute angrenzend an das Brandenburger Tor auf ehemalig Ostberliner Gebiet das Mahnmal für die jüdischen Opfer des NS-Terrors in Europa. Meine Kinder hatten, als sie nach "Calling all Nations" als Wilco-Jugendgruppe einen Stadtrundgang durch Berlin machten, Fotos gemacht. Die hatten mich bereits fasziniert. Darum wird dieses eindrucksvoll angelegte Stelenfeld die nächste Station auf meinem heutigen Abendspaziergang durch Berlin sein. Jo Hoffmann, 26. Juli 2006
Den Schlussgedanken lasse ich
meiner Mutter. Ihr Kriegstagebuch, das Not, Angst und Vertreibung der
Kriegs- und Nachkriegszeit beschreibt und für ihre Familie mit dem
Verlust von Haus und Heimat endete, beginnt sie mit den Worten: Lasst uns hoffen und beten, dass auch die Wunden, die der Zerfall des Kommunismus in so vielen Ländern geschlagen hat, in gleicher Weise mit Gottes Hilfe überwunden werden können.
Ein weiterer Beitrag
als Rückblick auf die deutsche Geschichte: |
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Die Vorgeschichte:
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Sowjetpanzer 1953 in Ostberlin "Imperium aufgelöst - |
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Fotos: Irene Hoffmann
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